Der Einsatz von Hebammen in Krankenhäusern, Geburtshäusern oder als freiberufliche Hebamme ist von großer Bedeutung und wird sehr geschätzt. Übrigens werden seit 2020 auch männliche Entbindungshelfer offiziell Hebamme genannt.

Die Ausbildung zur Hebamme

Die Ausbildung zur Hebamme dauert in der Regel drei Jahre und schließt mit einer staatlichen Abschlussprüfung ab. Das dreijährige Bachelorstudium wird derzeit an acht Fachhochschulen in Österreich angeboten. Die wissenschaftlich fundierte, fachpraktische Ausbildung bereitet optimal auf die Tätigkeit als Hebamme vor.

Im theoretischen Teil werden verschiedene Fächer wie Anatomie, Physiologie, Gynäkologie, Geburtshilfe, Kinderheilkunde, Embryologie, Fortpflanzung, Psychologie und Kommunikation gelehrt. Außerdem werden rechtliche und ethische Aspekte der Hebammenarbeit behandelt.

Der praktische Teil der Ausbildung findet in verschiedenen Einrichtungen statt, wie zum Beispiel in Krankenhäusern, Geburtshäusern oder bei freiberuflichen Hebammen. Hier wird die angehende Hebamme in der Betreuung von Schwangeren, bei Geburten, im Wochenbett und das erste Lebensjahr des Kindes geschult. Sie lernt unter anderem, wie man Schwangere untersucht, Geburten begleitet, Neugeborene versorgt und Frauen im Wochenbett unterstützt.

Während der Ausbildung absolviert die angehende Hebamme auch Praktika in verschiedenen Bereichen der Geburtshilfe, wie zum Beispiel in der Neonatologie oder in der gynäkologischen Ambulanz.

Vorbereitungskurs für den Aufnahmetest zur Ausbildung als Hebamme

In Österreich gibt es verschiedene Vorbereitungskurse für den Aufnahmetest zur Ausbildung als Hebamme. Diese Kurse sollen den Bewerbern helfen, sich gezielt auf den Test vorzubereiten und ihre Chance auf einen Studienplatz zu erhöhen. Die Kurse werden von verschiedenen Bildungseinrichtungen wie zum Beispiel Volkshochschulen oder privaten Bildungsinstituten angeboten.

Relevante Themenbereiche des Aufnahmetests werden behandelt wie z. B. Biologie, Chemie, Physik, Mathematik und Deutsch. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit sich mit den Anforderungen des Tests vertraut zu machen. Lerntechniken und Strategien zur Bewältigung des Tests werden zudem vermittelt. Hinzu kommen Allgemeinwissensfragen, Test der Empathie-Fähigkeit, zu logisch-schlussfolgerndes Denken (Zahlenreihen, Matrizen, Symbolreihen), räumlichen Vorstellungsvermögen, Berufseignungsfragen sowie Tests zu Wortanalogien (verbale Intelligenz).

Vorbereitungskurse für Hebammen-Aufnahmetests finden in den Städten Wien, Graz, Linz und Innsbruck statt. Die Inhalte variieren von FH zu FH – die Kurse in den verschiedenen Städten sind darauf abgestimmt.

Es ist ratsam, sich frühzeitig über die verschiedenen Vorbereitungskurse zu informieren und sich rechtzeitig anzumelden, da die Plätze oft begrenzt sind. Es kann auch hilfreich sein, sich mit ehemaligen Teilnehmern auszutauschen oder Online-Ressourcen zu nutzen, um sich zusätzlich auf den Aufnahmetest vorzubereiten.

Der Ausbildungsabschluss als Hebamme

Nach Abschluss der Ausbildung schließen Hebammen mit dem akademischen Grad eines Bachelor of Science in Health Studies (BSc.) ab und erhalten den Titel Diplomierte Hebamme. Danach steht ihnen der Weg in ein Angestelltenverhältnis oder in die Freiberuflichkeit offen. Darüber hinaus bieten einigen Fachhochschulen nach dem Bachelorstudium Masterlehrgänge für Hebammen an.

Die Kompetenzen und Aufgaben einer Hebamme

Die Hebamme unterstützt Frauen während der Schwangerschaft, Geburt und im Wochenbett. Sie bietet Familienplanung, Geburtsvorbereitungskurse, Schwangerschaftsbetreuung und Vorsorge, die Vorbereitung auf die Geburt, die Überwachung des Geburtsverlaufen, Geburtsbegleitung, Wochenbettbetreuung, Stillberatung und Beratung bei gynäkologischen Problemen an. Sie arbeitet in einem Dienstverhältnis oder freiberuflich.

Ihre Aufgaben umfassen unter anderem die Beratung und Unterstützung bei Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt, Durchführung von Vorsorgeuntersuchungen, Schwangerschaftsvorsorge, die Vorbereitung auf Geburt, die Überwachung des Geburtsverlaufs und Elternschaft.

Eine Hebamme übernimmt die verantwortungsvolle Aufgabe Abweichungen vom normalen Geburtsverlauf sowie bei Risikoschwangerschaften zu erkennen. Bei Risikogeburten wie z. B. Mehrlingsschwangerschaften, einer regelwidrigen Lage des Kindes oder einer Frühgeburt muss sie zunächst einen Frauenarzt beiziehen. Bei Abwesenheit des Frauenarztes ist die Hebamme ermächtigt, notwendige Maßnahmen wie z. B. das Ablösen des Mutterkuchens (Plazenta) selbst zu ergreifen.

Die Hebamme führt die ersten wichtigen Untersuchungen im Rahmen des Neugeborenen-Screenings durch. Sie stellt nach der Geburt Geschlecht, Größe und Gewicht fest und beurteilt die Vitalfunktionen wie z. B. Atmung und Puls. Sie betreut die Mutter im Wochenbett nach der Geburt, im Rahmen von Hausbesuchen. Dazu gehört die Aufklärung der werdenden Mutter über das Stillen und die richtige Ernährung des Säuglings.

Einsatzmöglichkeiten als Hebamme

Hebammen arbeiten in Einrichtungen der Geburtsvorbereitung und Geburtsnachbetreuung, bei Ärzten oder Gruppenpraxen, in Hebammenordinationen sowie im Kreißsaal, der Wochenbettstation und der geburtshilflichen Ambulanz von Krankenhäusern. Sie betreuen Hausgeburten und arbeiten als Familienhebammen. Hebammen geben auch weiterführende Informationen bzw. Kurse beispielsweise zur Stärkung des Beckenbodens, Rückbildungsgymnastik oder Schwangerschaftsyoga. Ihre Know-how bringen Hebammen auch bei Workshops in Schulen oder als Lehrende und in der Forschung an Fachhochschulen ein.

Vertragshebamme

Eine Vertragshebamme hat einen Vertrag mit der österreichischen Gesundheitskasse (ÖKG) und kann somit Leistungen im Rahmen der Schwangerschaftsbetreuung, Geburtsbegleitung und Wochenbettbetreuung erbringen. Der Kassenvertrag SV 200 regelt, dass die ÖKG-Kosten für vertraglich geregelte Leistungen einer Vertragshebamme übernimmt. Es kann jedoch sein, dass für bestimmte Zusatzleistungen oder außerhalb des Vertragsrahmens zusätzliche Kosten anfallen. Die Vertragshebamme arbeitet eng mit anderen medizinischen Fachkräften wie Ärzten in Krankenhäusern zusammen und ist in der Regel in einer freiberuflichen Tätigkeit tätig.

Wahlhebamme

Eine Wahlhebamme bietet ähnliche Leistungen wie eine Vertragshebamme an. Der Unterschied besteht darin, dass die Schwangere mit einer Wahlhebamme einen individuellen Vertrag abschließt, da sie keinen Vertrag mit der österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) hat. Versicherte können sich dort als Privatpatient behandeln lassen, bezahlen die Kosten dafür zunächst selbst. Nach Abschluss der vollständigen Behandlung können sie ihre Rechnung bei der ÖGK einreichen, um eine Teilerstattung der Kosten zu erhalten. 

Weiterbildungsmöglichkeiten als Hebamme

Um ständig auf dem aktuellen Stand zu sein, sind Weiterbildungs-Maßnahmen für Hebammen wichtig. Sie können sich in einem bestimmten Bereich spezialisieren und ihre Kenntnisse vertiefen. Mögliche Weiterbildungen umfassen beispielsweise die Fachweiterbildung in der Geburtshilfe, die Weiterbildung zur Stillberaterin oder Weiterbildung zur Familienhebamme. Hebammen können auch Supervisions- und Coachingsitzungen in Anspruch nehmen, im die berufliche Praxis zu reflektieren und ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Diese Sitzungen werden von erfahrenen Hebammen oder anderen Fachleuten angeboten und dienen dazu, die Qualität der Hebammenarbeit zu verbessern.

Infos erhalten Interessierte bei entsprechenden Bildungseinrichtungen oder Berufsverbänden.

Gehalt – so viel verdient eine Hebamme

Das Gehalt einer Hebamme in Österreich kann individuell abweichen. Im Durchschnitt verdient eine Diplomierte Hebamme zwischen 2.200 und 3.500 Euro brutto im Monat. Abhängig von Region beziehungsweise Bundesland, Anstellung in der Privatwirtschaft oder im öffentlichen Sektor, von Arbeitgeber sowie diversen anderen Faktoren verdienen Hebammen recht unterschiedlich. Mit steigender Berufserfahrung und damit einhergehenden Sprüngen aus dem Kollektivvertrag erhöht sich dann auch das Gehalt.

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Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern auf dieser Website und dem Magazin manchmal ausschließlich die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.

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